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Kenntnisnachweis Modellflug

Version 5.31 - © Arbeitsgruppe Kenntnisnachweis für Modellflug


Vornweg der Hinweis: Flugmodelle sind kein Spielzeug

Als Modellflieger sind Sie Teilnehmer am Luftverkehr und unterliegen den Bestimmungen des Luftfahrtrechtes. Die Luftverkehrsordnung und weitere Vorschriften regeln die Nutzung des Luftraums und sollen die Sicherheit des Flugverkehrs sicherstellen. Nach geltendem Recht dürfen Flugmodelle ausschließlich zum Zwecke des Sports und/oder der Freizeitgestaltung eingesetzt werden und nur in Sichtweite des Steuerers geflogen werden.

Um Ihnen den Einstieg in den Modellflug zu ermöglichen, haben wir Wissenswertes für Sie zusammengestellt. Falls Ihr Flugmodell über 2 kg schwer ist oder sie höher als 100 Meter fliegen wollen, benötigen Sie außerhalb von Modellfluggeländen mit Aufstiegserlaubnis grundsätzlich einen sog. Kenntnisnachweis gemäß Luftverkehrsordnung § 21e zum Steuern von Flugmodellen inklusive Multicoptern für Sport- und Freizeitzwecke (nicht gewerblich). Der Gesetzgeber hat für den Erwerb ein Mindestalter von 14 Jahren vorgesehen. Bevor Sie Ihren Kenntnisnachweis am Ende ausdrucken können, müssen Sie die folgenden Seiten mit den wichtigsten Informationen durcharbeiten.

Die Themengebiete, die für den Kenntnisnachweis erforderlich sind, finden Sie auf den folgenden Seiten.

  • Anwendung und Navigation von Modellflugzeugen
  • Luftrechtliche Grundlagen
  • Luftraumordnung
Außerdem
  • Zusammenfassung wichtiger Informationen
  • Haftpflichtversicherung für Flugmodelle ist Pflicht!

Anwendung und Navigation von Modellflugzeugen

Als Steuerer eines Flugmodells vergewissern Sie sich vor dem Einschalten des Senders und des Empfängers des Flugmodells, dass dadurch kein anderer Steuerer eines Flugmodells gestört wird, etwa durch die Verwendung desselben Sendekanals. Bei Betrieb einer 2,4-GHz-Fernsteuerung ist diese Prüfung entbehrlich.

Beim Ein- und Ausschalten des Senders und des Flugmodells stellen Sie sicher, dass eine unbeabsichtigte Funktionsaufnahme des Flugmodells verhindert wird, wie z.B. das ungewollte Anlaufen eines Propellers oder eines Rotors.

Beim Einschalten gilt: erst der Sender, dann das Flugmodell.
Beim Ausschalten gilt: erst das Flugmodell, dann der Sender.
Auf diese Weise ist sichergestellt, dass der Empfänger immer ein vom Sender geführtes Steuersignal erhält.

Sie starten und landen Ihr Flugmodell, ohne dabei andere zu gefährden.

Unmittelbar vor dem Start erfolgt der Startcheck:

  • Flugmodell voll funktionsfähig?
  • Steuerer bereit?
  • Wind und Wetter okay?
  • Start- und Abflugbereich hindernis- und personenfrei?

Nach dem Start steigen Sie auf Sicherheitshöhe, die es Ihnen erlaubt, etwaigen Fluglageänderungen sicher entgegenwirken zu können.
Sie beobachten und steuern Ihr Flugmodell während des gesamten Flugs aufmerksam und sicher. Sie sind dabei stets bereit, dem Flugmodell unabhängig von seiner Fluglage sinnrichtige Steuer- bzw. Aussteuerbefehle zu erteilen.

Als Steuerer eines Flugmodells müssen Sie die von Ihnen durchgeführten Flugmanöver an Ihre individuellen Flugfähigkeiten anpassen. Sie müssen jederzeit in der Lage sein, die Fluglage sicher zu kontrollieren sowie die sichere Steuerung und Navigation des Flugmodells zu gewährleisten.

Vor der Einleitung der Landung vergewissern Sie sich, dass der Anflug- und Landebereich hindernis- und personenfrei ist. Der Endanflug und die Landung erfolgen in der Regel gegen den Wind. Sie bleiben steuerbereit, bis das Flugmodell vollständig zum Stillstand gekommen ist.

Beachten Sie die Betriebs- und Sicherheitshinweise des Herstellers. Sollte es zu einem Unfall mit Personenschaden kommen, bitte unbedingt die Polizei informieren.


Luftrechtliche Grundlagen für den Modellflug

Nach § 1 Abs. 2 Nr. 9 LuftVG stellen Flugmodelle Luftfahrzeuge dar. Damit können Flugmodelle das Recht aus § 1 Abs. 1 Satz 1 LuftVG geltend machen. Dort ist geregelt, dass die Benutzung des Luftraums durch Luftfahrzeuge frei ist, soweit sie nicht durch dieses Gesetz und anderweitige Rechtsvorschriften beschränkt wird.
Die wesentlichen Einschränkungen dieses Rechts ergeben sich beispielsweise aus der Luftverkehrsordnung (vgl. §§ 20 und 21a-c, e-f LuftVO).

Der Halter eines Luftfahrzeugs ist nach § 33 Abs. 1 LuftVG unabhängig vom Verschulden für alle Schäden an Personen oder Sachen haftbar, welche aus dem Betrieb des Luftfahrzeugs resultieren. Diese Regelung schließt Flugmodelle ein und begründet die Pflicht zum Abschluss einer entsprechenden Versicherung.

Eine Definition des Begriffs „Flugmodell“ ergibt sich aus § 1 Abs. 1 Nr. 8 LuftVZO. Es handelt sich hierbei um unbemannte Luftfahrzeuge, die in Sichtweite des Steuerers (§ 21b Abs. 1 Satz 2 LuftVO) ausschließlich zum Zweck des Sports oder der Freizeitgestaltung betrieben werden.

Der auf dieser Seite erwerbbare Kenntnisnachweis gilt nicht für unbemannte Luftfahrtsysteme (UAS). Diese benötigen eine Bescheinigung nach LuftVO § 21d von einer vom Luftfahrtbundesamt anerkannten Stelle.

Unterscheidung von Flugmodellen und unbemannten Luftfahrtsystemen (UAS):
Flugmodelle und UAS sind zwar technisch gleiche bzw. ähnliche unbemannte Fluggeräte, die Unterscheidung erfolgt ausschließlich nach dem Verwendungszweck:
Flugmodelle sind gemäß LuftVZO § 1 Absatz 1 Punkt 8 unbemannte Luftfahrzeuge, die in Sichtweite des Steuerers ausschließlich zum Zweck des Sports oder der Freizeitgestaltung betrieben werden.
Als unbemannte Luftfahrtsysteme gelten gemäß LuftVG § 1 Absatz 2 Satz 3 unbemannte Fluggeräte einschließlich ihrer Kontrollstation, die nicht zu Zwecken des Sports oder der Freizeitgestaltung betrieben werden.

Wesentlich für die Freiheit der Nutzung des Luftraums durch Flugmodelle ist die Abgrenzung zwischen erlaubnisfreiem und erlaubnispflichtigem Modellflugbetrieb. Aus § 21a LuftVO ergeben sich die Merkmale, bei denen vor Aufnahme des Modellflugbetriebs eine gesonderte Erlaubnis (die sogenannte Aufstiegserlaubnis) erforderlich wird.

Hier die wichtigen Gesetze und Verordnungen, welche den Betrieb von Flugmodellen regeln:

  • Luftverkehrsgesetz (LuftVG)
  • Luftverkehrs-Ordnung (LuftVO)
  • Luftverkehrs-Zulassungs-Ordnung (LuftVZO)

Luftraumordnung

Die Internationale Zivilluftfahrt-Organisation (ICAO) hat eine Luftraumstruktur mit unterschiedlichen Luftraumklassen von A (Alfa) bis G (Golf) festgelegt. Dabei wird zwischen kontrollierten und unkontrollierten Lufträumen unterschieden. Diese Lufträume können horizontal (nebeneinander) und vertikal (übereinander) angeordnet sein.

Modellflug ist grundsätzlich nur im unkontrollierten Luftraum G (Golf) erlaubt.

Weiter gibt es temporäre Einschränkungen, z. B. wegen militärischer oder polizeilicher Sonderfälle. Dann kann ein Luftraum durch eine behördliche Ausweisung (Nachrichten für Luftfahrer - NfL) aus bestimmten Gründen auch für Modellflugzeuge eingeschränkt oder komplett gesperrt werden.

Wichtig: Sie sind verpflichtet, sich rechtzeitig zu informieren, ob in Ihrem gewählten Fluggelände Einschränkungen im Luftraum vorliegen.

Die folgende Karte zeigt die Luftraumstruktur in Deutschland


Ausnahme für Modellflug im kontrollierten Luftraum

Für die Inanspruchnahme des kontrollierten Luftraumes durch  Flugmodelle und unbemannte Luftfahrtsysteme (UAS) nach §21 LuftVO ist die Einholung einer Flugverkehrskontrollfreigabe bei der zuständigen Flugverkehrskontrollstelle erforderlich.

Dies gilt grundsätzlich auch für die Umgebung von Verkehrsflughäfen. Für die von der DFS kontrollierten 16 internationalen Verkehrsflughäfen (wie z.B. Frankfurt), gibt es für die unmittelbare Umgebung (Kontrollzone) eine Allgemeinverfügung (NfL1-1023-17) für den Betrieb von Flugmodellen bis maximal 50 m Höhe. Weitere Auflagen der DFS sind zu beachten. Für die von der DFS Aviation Systems betreuten Regionalflughäfen (z.B. Dortmund, Karlsruhe usw.) gibt es ein vergleichbares Verfahren (NfL 1-1027-17).

Für militärische und andere Flughäfen bitte IMMER beim Tower oder der Deutschen Flugsicherung (DFS) Informationen einholen!


Informationen über den Luftraum

Alle grundsätzlichen Informationen zum Luftraum finden sich in speziellen Karten (siehe Beispiel nächste Seite). Diese werden von der Deutschen Flugsicherung (DFS) z.B. in deren Homepage www.dfs.de unter „Services“ und „Drohnenflug“ veröffentlicht.

Kurzfristige Änderungen, Verbote im Luftraum bei Großereignissen wie z. B. einem G-20 Gipfel finden sich in den Nachrichten für Luftfahrer (NfL), die ebenfalls unter www.dfs.de unter „Services – Kundenbereich VRF“ zu finden sind.

Im Zweifelsfall bitte immer bei der DFS oder beim nächstgelegenen Tower eines Flughafens oder Flugplatzes informieren!




Zusammenfassung

  1. Kennzeichnungspflicht:
  2. Der Eigentümer eines Flugmodells mit einer Startmasse von mehr als 0,25 kg muss vor dem erstmaligen Betrieb an sichtbarer Stelle seinen Namen und seine Anschrift in dauerhafter und feuerfester Beschriftung an dem Fluggerät anbringen. (Nach Aussage des BMVI ist ein Aluminiumschild ausreichend)

  3. Erlaubnisfreiheit:
  4. Für den Betrieb von Flugmodellen und unbemannten Luftfahrtsystemen unterhalb einer Höchstabflugmasse (MTOM) von 5 kg ist grundsätzlich keine Erlaubnis erforderlich.

    Hinweis: Bei einer Abflugmasse ab 2 kg oder für Flughöhen über 100 m (unabhängig von der Abflugmasse) ist ein Kenntnisnachweis erforderlich. Ausgenommen sind Modellfluggelände mit einer Erlaubnis zum Aufstieg gemäß LuftVO.

  5. Erlaubnispflicht:
  6. Für den Betrieb von Flugmodellen und unbemannten Luftfahrtsystemen über 5 kg und für den Betrieb bei Nacht ist eine Erlaubnis erforderlich. Weitere Erlaubnispflichten siehe §21a LuftVO. Diese wird von den Landesluftfahrtbehörden erteilt.

  7. Betriebsverbot:
  8. Ein Betriebsverbot gilt für Flugmodelle und unbemannte Luftfahrtsysteme

    • außerhalb der Sichtweite des Steuerers für Geräte kleiner gleich 5 kg;
    • in und über sensiblen Bereichen, z. B. Einsatzorten von Polizei und Rettungskräften, Krankenhäusern, Menschenansammlungen, Anlagen und Einrichtungen wie JVAs oder Industrieanlagen, oberste und obere Bundes- oder Landesbehörden, Naturschutzgebieten und über bestimmten Verkehrswegen;
    • Hinweis: Teilweise ist ein seitlicher Abstand von 100 Metern einzuhalten.

    • in Kontrollzonen von Flugplätzen (auch An- und Abflugbereiche von Flughäfen),
    • in Flughöhen über 100 Metern über Grund, es sei denn, der Betrieb findet auf einem Gelände statt, für das eine allgemeine Erlaubnis zum Aufstieg von Flugmodellen erteilt und für die eine Aufsichtsperson bestellt worden ist, oder, soweit es sich nicht um einen Multicopter handelt, der Steuerer ist Inhaber einer gültigen Erlaubnis als Luftfahrzeugführer oder verfügt über einen Kenntnisnachweis.
    • über Wohngrundstücken, wenn die Startmasse des Geräts mehr als 0,25 kg beträgt oder das Gerät oder seine Ausrüstung in der Lage sind, optische oder akustische Signale oder Funksignale zu empfangen, zu übertragen oder aufzuzeichnen.
      Ausnahme: Der durch den Betrieb über dem jeweiligen Wohngrundstück in seinen Rechten Betroffene stimmt dem Überflug ausdrücklich zu.
    • unbemannte Luftfahrtsysteme über 25 kg Startmasse.
  9. Einsatz von Videobrillen:
  10. Flüge mithilfe eines visuellen Ausgabegerätes sind erlaubt, wenn sie unterhalb einer Höhe von 30 Metern stattfinden und das System nicht schwerer als 0,25 kg ist oder eine andere Person es ständig in Sichtweite beobachtet und in der Lage ist, den Steuerer auf Gefahren aufmerksam zu machen. Dies gilt als Betrieb innerhalb der Sichtweite des Steuerers.

  11. Ausweichpflicht:
  12. Unbemannte Luftfahrtsysteme und Flugmodelle sind verpflichtet, bemannten Luftfahrzeugen und unbemannten Freiballonen auszuweichen.

  13. Ausnahmen
  14. Die zuständige Behörde kann Ausnahmen von den Verboten genehmigen, wenn der Betrieb keine Gefahr für die Sicherheit des Luftverkehrs und die öffentliche Sicherheit und Ordnung darstellt, keine Verletzung der Vorschriften über den Datenschutz und über den Naturschutz vorliegt und der Schutz vor Fluglärm angemessen berücksichtigt ist. Bei geplantem Betrieb außerhalb der Sichtweite lässt sich die Genehmigungsbehörde eine objektive Sicherheitsbewertung vorlegen.


Übersicht



Versicherungspflicht

Sie unterliegen der Pflicht, eine spezielle Haftpflichtversicherung für Flugmodelle (§§ 37 Abs. 1 und 43 Abs.2 LuftVG + §102 Abs.3 LuftVZO) abzuschließen. Die normale Haftpflichtversicherung deckt den Modellflug nicht oder nur teilweise ab.
Fragen Sie bitte bei Ihrer Versicherung nach.

Eine zeitlich beschränkte und kostenlose Haftpflichtversicherung ohne Folgeverpflichtungen können Sie sehr einfach durch eine Probemitgliedschaft (www.mfsd.de) erhalten.


Abschließende Erklärung

Neben dem Kenntnisnachweis können weitere öffentlich- oder privat-rechtliche Genehmigungen zum Betrieb eines Flugmodells erforderlich sein, so z.B. eine Flugverkehrskontrollfreigabe, eine Aufstiegserlaubnis und/oder eine Genehmigung des Eigentümers, von bzw. auf dessen Grundstück gestartet bzw. gelandet wird; ebensowenig ersetzt der Kenntnisnachweis vorgenannte Freigaben, Erlaubnisse und/oder Genehmigungen. Unabhängig von der Inhaberschaft eines Kenntnsinachweises ist der Steuerer eines Flugmodells selbst dafür verantwortlich, alle notwendigen Freigaben, Erlaubnisse, Genehmigungen und Informationen für sein Flugvorhaben einzuholen; ebenso ist er für den sonstigen rechtlichen und sachgemäßen Umgang mit dem Flugmodell alleine verantwortlich; eine (Mit-)Verwantwortlichkeit des DAeC e.V. - gleich welcher Art - wird durch die Ausstellung des Kenntnisnachweises nicht begründet.

Der Deutsche Aero Club wünscht Ihnen viel Freude mit Ihrem Flugmodell.